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Das Stadtarchiv im Wandel der Zeit

Was ist überhaupt ein Archiv?

Das Archiv als Gedächtnis der Stadt Dettelbach umfasst neben der Stadtordnung Rudolfs von Scherenberg von 1482 Urkunden, Protokollbücher, Akten und Rechnungen, die bis ins 16. und sogar bis ins 15. Jh. zurückgehen. So sind viele wichtige Informationen überliefert worden. Sie dokumentieren, wie das Leben in Dettelbach in den vergangenen Jahrhunderten ausgesehen und wie es sich verändert hat.
Mit dem Einsetzen der Verschriftlichung und des stetig größer werdenden Verwaltungsapparats, wurde es immer wichtiger Schriftstücke, die alte Rechte und Pflichten festhalten, gut aufzubewahren und für die Nachkommen zu erhalten. Schon früh wurde damit begonnen, alte Dokumente zu sammeln, die dann als Archiv bezeichnet wurden. Der Begriff beschreibt also nicht nur den Ort bzw. das Gebäude, an dem die Unterlagen aufbewahrt werden, sondern auch die Sammlung der Unterlagen selbst.

Nicht immer jedoch ist es als die kulturelle und rechtlich-administrative Institution wahrgenommen worden. Zu bestimmten Zeiten in der frühen Neuzeit verwendete man beispielsweise die Seiten alter mittelalterlicher Bücher, um damit neue zu binden. So finden sich unter so manchem Einband Fragmente oder gar ganze Seiten, die von viel älteren Unterlagen stammen.
Gegen Ende des 19. Jh. als man sich vermehrt mit der eigenen Geschichte bzw. der Geschichtsschreibung zu befassen begann, kam auch den Archiven als Hort der geschichtlichen und kulturellen Überlieferung mehr Bedeutung und Achtung zu. Hier beginnt nun die in den Akten überlieferte Geschichte des Dettelbacher Stadtarchivs, das nach Aussage des ehemaligen Kreisarchivpflegers Fritz Mägerlein aus dem Jahr 1969 "das wertvollste seiner Art im Landkreis Kitzingen" ist:

Das Dettelbacher Archiv und dessen Werdegang im 20. Jh.
Im April 1900 erging vom königlichen Kreis-Archiv (das heutige Staatsarchiv) in Würzburg der Auftrag an die Stadt Dettelbach, über die Situation des Gemeindearchives zu berichten. Dem Antwortschreiben ist zu entnehmen, dass die "vorhandenen ältern Urkunden, Raths- und Gerichtsprotokolle, Lehenbücher und Privilegien, Stadtordnung sowie Gemeinderechnungen wohl verwahrt und untergebracht und in neuem Verzeichnisse aufgeführt sind". Es wird in diesem Zusammenhang auch erwähnt, dass "bis jetzt noch von keiner Seite eine Urkunde oder sonst ein Dokument zur geschichtlichen Darstellung Verwendung gefunden hat". Das sollte sich u.a. mit dem Einsetzen der für die Stadtgeschichtsschreibung hoch bedeutsamen Reihe der "Dettelbacher Geschichtsblätter", die unter der Redaktion von Herrn Dr. Bauer ab 1975 herausgegeben wurden, grundlegend ändern.
Dass das Archiv Anfang des 20. Jh. im Rathaussaale untergebracht war, geht aus einem Vermerk vom 6. November 1907 hervor. Damals wurde eine Abschrift des Verzeichnisses an das königliche Kreis-Archiv geschickt. Man sendete auch mehrfach Archivalien, genauer "Bruchstücke von Akten und Protokollen" nach Würzburg, um sie zum einen ordnen und verzeichnen zu lassen, und zum anderem um Näheres über deren Inhalt zu erfahren. Das Verzeichnis wurde im Jahr 1909 mit Hilfe des Kreis-Archivs ergänzt und durch den Stadtsekretär Wolf neu angefertigt. Bereits zu dieser Zeit wurden einige Bände, die sich in schlechtem Zustand befanden zum Buchbinder gebracht, um sie neu binden oder ausbessern zu lassen.

Als das Rathaus renoviert wurde, fand man im Jahr 1910 unter dem Fußboden des Erkers "als Füllung eine Masse Schutt und eine Anzahl Archivalien aus der Zeit von 1520-1677". Laut Einschätzung des königlichen Kreis-Archivs in Würzburg "bleibt es eine offene Frage, ob diese Archivalien damit vernichtet oder vielleicht rasch verborgen werden sollten". Die gefundenen Unterlagen wurden gereinigt, getrocknet und von Herrn Stadtsekretär Wolf ins Verzeichnis mitaufgenommen.
Eine Neuordnung erfuhr das Stadtarchiv in den Jahren 1959 und 1960 durch den damaligen Kreisarchivpfleger Fritz Mägerlein, der den Bestand in einem 1961 fertiggestellten Findbuch verzeichnete. Im Vorwort wird erwähnt, wo die Archivalien untergebracht waren: Da im Rathaus kein eigener Raum zur Verfügung stand, waren "die Akten in einem Registraturschrank im unteren Rathaussaal und die Bände in einem Wandschrank des Sitzungssaals", die Rechnungen in einem Schrank auf dem Rathausboden, die Urkunden in der Gemeinderegistratur verwahrt.
In diesem Verzeichnis finden sich Vermerke, dass einige Bände des Stadtarchivs - u.a ein Gerichtsprotokollbuch aus dem 15. Jh. - "dem Museum zugeteilt" wurden. Es ist anzunehmen, dass damit das Dettelbacher Heimatmuseum gemeint war, das in den späten 1950er Jahren in den ehemals als Schulzimmer genutzten Räumen des historischen Rathauses eingerichtet wurde und bis etwa 1968 bestand.

In den späten 1960er Jahren, wurden die Akten und Rechnungen in den Raum zwischen dem ehemaligen Bürgermeisterzimmer und dem Sitzungssaal gebracht. Auch wurden die Urkunden, welche im Jahr 1970 durch das Staatsarchiv instandgesetzt wurden, bei den Bänden im Sitzungsaal verwahrt.
Da es seit der Neuverzeichnung des Archivs durch Fritz Mägerlein "immer wieder [.] Ahnen- und Heimatforschern möglich gewesen [war], unbeaufsichtigt in den Schränken zu kramen", geriet die von ihm angelegte Ordnung durcheinander. Weil auch die Benützung durch die so entstandene Unordnung sehr erschwert war, musste eine Neuordnung durch Herrn Dr. Bauer, der ab 1973 die Betreuung des Stadtarchivs ehrenamtlich übernommen hatte, vorgenommen werden. So wurde die Rechnungen und Akten aus den hohen Schränken herausgenommen und in neuer Ordnung "in einem Nebenraum des Bürgersaals (heute Teeküche)" in Regalen aufgestellt.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wuchs das Stadtarchiv ab 1972 bis 1978 um die Bestände der eingemeindeten Ortschaften Brück, Bibergau, Effeldorf, Euerfeld, Mainsondheim, Neuses am Berg, Neusetz, Schnepfenbach und Schernau an. Um die Masse an neuen Archivalien aufnehmen zu können, wurden Räumlichkeiten im Nebengebäude des ehemaligen Amtsgerichts hergerichtet. Ab 1996 wurden schließlich auch die Dettelbacher Bestände vom historischen Rathaus in das Nebengebäude des neuen Verwaltungssitzes in der Luitpold-Baumann-Straße überführt. Durch mehrfaches Umräumen der Bestände innerhalb des Gebäudes, geriet die Ordnung wieder durcheinander, so dass ab 2005 abermals eine Neuordnung durch externe Kräfte erforderlich wurde. Diese war im Jahr 2009 abgeschlossen.
Seit 2016 wurde die Stadt in Sachen Archivpflege vom Landkreis unterstützt, bis im Herbst 2019 Julia Halbleib für Archiv und Registratur eingestellt wurde. Auch in Zukunft stehen weitere Veränderungen an, wie beispielsweise die Digitalisierung und die Bestandserhaltung, um nur einige Aufgabenfelder zu benennen. Ein Archiv mag vielleicht staubig erscheinen, aber langweilig wird es nie!

Julia Halbleib M.A.
Stadtarchiv Dettelbach
Quellenangabe: Stadtarchiv Dettelbach, Bestand Dettelbach, D-A/321, D-A/322 und D-A/323.


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