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Museumsinhalte


Die Überzeugung von der Existenz besonders ausgezeichneter heiliger Orte und des verdienstvollen, weil beschwerlichen Wegs dorthin, um Heil für Seele und Leib zu erfahren ist eine allgemein menschliche Grundhaltung. Bildbelege dafür sind die Gemälde mit dem Traum Jakobs von der Himmelsleiter oder die Pilgerschaft in Kontext biblischer Szenen, die sich im ersten Raum befinden.

Seit dem Mittelalter ist der Pilger Sinnbild der ruhe- und heimatlosen menschlichen Existenz in der Nachfolge Christi auf dem Weg hin zur himmlischen Heimat. Dieses Bild zur Deutung menschlicher Erfahrungen greifen auch viele Künstler der Gegenwart auf.

Der Zyklus Kreuzbergwallfahrt von Ursula Flach leitet aus dem Neubau hinein in das Baumannsche Haus zur Wallfahrt in Franken. Im Gegensatz zur individuellen Pilgerschaft heißt Wallfahrt unterwegs sein in der Gemeinschaft, hin zu einem Gnadenort, in geordneter Prozession und alljährlich an festen Terminen. Wichtigstes Beispiel dafür ist heute die Wallfahrt zum Kreuzberg. Gerade hier wird heute noch das alte Nebeneinander von seelischer und körperlicher Erquickung greifbar.





Der folgende Raum zeigt mit dem Blick auf die großen Wallfahrtsziele Vierzehnheiligen, Gößweinstein und Walldürn, dass Wallfahrt grundsätzlich keine Grenzen kennt. Der größte Raum des Baumannschen Hauses ist den marianischen Wallfahrten der Diözese Würzburg gewidmet, die den Charakter der fränkischen Sakrallandschaft durch die Zeiten entscheidend mitprägen. Im letzten Raum dieses Geschosses sind Votive gesammelt, die als Zeichen für Zuflucht und wunderbare Hilfe an Wallfahrtsorten hinterlegt wurden. Votivbilder zeigen ausführlich den Grund der Votation. Beliebt waren Abbildungen kranker Körperteile oder ganzer Personen, vor allen Kinder, und sogar von Haustieren im wertvollen Material Bienenwachs. Aus Dettelbach haben sich sogar noch hölzerne Gussformen für solche Votive erhalten.

Beim Eintritt in das zweite Stockwerk vermittelt ein steinerner Bildstock mit dem Dettelbacher Gnadenbild zwischen den dort präsentierten Gruppen. Das Vesperbild - Maria, die ihren toten Sohn hält und beweint - ist ein überzeitlich ergreifendes Bild des Leidens und des Mit-Leidens, dem sich gerade auch Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart nicht verschließen. So setzte sich in einem monumentalen Marmorrelief Rainer Stoltz mit Matthias Grünewalds Aschaffenburger Beweinung auseinander.

Ein Vesperbild steht als Gnadenbild auch im Zentrum der Dettelbacher Wallfahrt. Ein einfacher Tagelöhner, der seine wunderbare Gesundung nach schwerer Verwundung der Hilfe der Muttergottes verdankte, zündete mit einem Kerzenopfer vor dem Vesperbild in einem Bildstock 1505 den Initialfunken. Das ausgestellte Vesperbild aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders ist so nahe am Dettelbacher Gnadenbild, dass es möglicherweise von diesem angeregt worden ist. Von der großen Verehrung der Muttergottes von Dettelbach durch die Zeiten zeugt vor allen anderen Belegen die 1699 gestiftete kostbare Krone. Im Dachgeschoss des Baumannschen Hauses lenken schließlich Devotionalien, also fromme Andenken und teilweise kuriose Mitbringsel, den Blick wieder weit über Franken hinaus in das Heilige Land, nach Rom, Lourdes oder Fatima.

Dr. Wolfgang Schneider

Schuhe und Wege

Ein besonderer Augenfänger des Museums Dettelbach ist die Vitrine, in der gehäufelt getragene Schuhe ausgestellt sind. In einem Aufruf war dazu angeregt worden, Schuhe, die auf Pilgerreisen oder Wallfahrten getragen worden waren, dem Museum zur Verfügung zu stellen und zu diesen Schuhen ihre Geschichte mitzuteilen. Mit diesen Schuhen waren ihre Besitzer auf dem Sinai unterwegs oder sie sind mit ihnen auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus gelaufen und vielmals zum Kreuzberg, nach Walldürn, nach Rengersbrunn oder auch nach Dettelbach. Der Erhaltungszustand lässt die Strapazen des Weges erkennen. Die Vitrine bietet noch Platz für viele weitere Schuhe, an die sich Geschichten und Erinnerungen vom Unterwegssein knüpfen.


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